3 rote Rosen

Ein Text voller Trauer

Normalerweise teile ich mit euch hier meine Glücksmomente, denn ich schreibe gerne über alles was mich glücklich macht, so wie Rezepte, meine kleinen Schritte in ein nachhaltigeres Leben oder über inspirierende DIYs. Leider besteht das Leben aber nicht nur aus diesen vielen kleinen schönen Momenten, sondern es gibt auch immer wieder diese traurigen, nicht so schönen, aber echten Momente. Hier gebe ich euch jetzt einen Einblick in einen solchen Moment, in mein persönliches Gedankenkarussell.

Es ist Samstag morgen, meine Mama ruft mich an. Das ist nicht ungewöhnlich, denn wir verstehen uns sehr gut. Diesmal ist es aber anders. Sie ruft nicht an, um mit mir ein Pläuschchen zu halten, sondern um mir eine traurige Nachricht zu überbringen. Ein sehr geliebter Mensch aus der Familie liegt im Sterben. Ich breche schon während des Telefonats in Tränen aus. Lege auf. Es trifft mich wie ein Schlag ins Gesicht. 

Ich war in meinem 27-jährigen Dasein bisher immer von so einer Situation verschont geblieben, zum Glück. Ich tigere auf und ab, wecke meinen Freund, erzähle ihm davon immer noch völlig fassungslos und aufgelöst. Er nimmt mich in den Arm. Ich wispere leise, dass ich glaube, dass sie es nicht schafft. Ich weiß nicht warum…. Es ist nur so ein Gefühl. 

Meine Gedanken springen umher und viele Fragen schießen mir durch den Kopf: Wann habe ich sie das letzte mal gesehen? Das ist schon lange her. Das war vor Coronazeiten…Genau weiß ich es nicht mehr irgendwann Anfang März. Wann habe ich das letzte Mal mit ihr telefoniert? Das war erst vor vier Tagen. Ich hatte ihren Anruf verpasst und rief sie zurück. Wir hatten eine Diskussion am Telefon. Gut, dass wir uns aber noch vertragen haben. Ich weiß noch, dass ich das Telefonat mit den Worten „Ich hab dich lieb. Ich ruf dich nächste Woche nochmal an!“ beendete. Auf Ersteres ging sie wie immer nicht ein, denn das war ihr unangenehm und letzteres würde nie wieder passieren, wie ich jetzt weiß….

Wenige Stunden später dann der Anruf, dass sie von uns gegangen ist. Ich breche erneut in Tränen aus. Kann es einfach nicht glauben und will es nicht wahr haben. Sie ist einfach nicht mehr da. Ich bin froh, dass sie in den letzten Stunden nicht alleine war und eine Person aus der Familie, die sie sehr liebte, für sie da war. Das tröstet mich ein bisschen. Auch das sie keinen langen Leidensweg hatte, macht es erträglicher.

Die nächsten Tage sind schwierig. Ich bin viel bei meinen Eltern und meiner Schwester. Zusammen ist der Schmerz irgendwie erträglicher. Zu Hause versuche ich normal weiter zu machen, was gar nicht so einfach ist, denn in Zeiten des Coronavirus habe ich gar keinen richtigen Alltag mehr. Ich fahre nicht ins Büro, verabrede mich nicht mit Freunden zum Essen oder gehe ins Fitnessstudio. Ich bin meistens allein zu Hause. Ich fühle mich einsam, bin traurig und auch hilflos in dieser für mich neuen Situation. Aber ich lasse die Gefühle zu, denn Gefühle sind zum fühlen da. Schmerz und Trauer gehören zur Verarbeitung. 

Die Verabschiedung von Ihr und die Beisetzung haben mir ebenfalls bei der Verarbeitung geholfen. Auch wenn das alles ganz anders war, als es unter normalen Umständen gewesen wäre. Es wäre normalerweise nicht so kurz und so kühl gewesen. Es hätte normalerweise nach der Beisetzung eine Zusammenkunft der ganzen Familie gegeben, aber in diesen Zeiten ist das nicht erlaubt. Es war nur eine kurze Beisetzung mit viel Abstand zwischeneinender und ohne Umarmungen untereinander, dennoch hat es mir geholfen Abschied zu nehmen.

Mittlerweile kommt die Trauer in Wellen. Sie ist nicht mehr omnipräsent. Sie kommt und geht, wie Ebbe und Flut. Die Abstände werden jeden Tag etwas größer und jeden Tag zieht bei mir wieder etwas mehr „der Alltag“ ein und dennoch bleibt sie für immer in meinem Herzen.

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